Joris-Karl Huysmans
Lourdes
Mystik und Massen

Das letzte Buch des Kultautors Joris-Karl Huysmans erstmals auf Deutsch: sein eindrücklicher und realistischer Bericht über Lourdes, den Wallfahrtsort der Pilgermassen, der Kranken, des Kitsches und der Wunder.

Skeptisch und nur auf Drängen von Freunden reist der legendäre Schriftsteller Huysmans nach Lourdes, und was er dort antrifft, hat in der Tat nur noch wenig mit der unberührten Idylle der Grotte am Flüsschen Gave zu tun, wo 1858 der vierzehnjährigen Bernadette Soubirous mehrfach die Jungfrau Maria erschienen sein soll. Es herrscht ein Riesenauflauf: Menschenhorden fluten den Ort, darunter viele bedauernswerte Wesen mit den schauerlichsten Krankheiten. Glaubenskitsch der billigsten Art ist ebenso allgegenwärtig wie der medizinische Betrieb für die kranken Pilger und der routinierte Ablauf der zahllosen Messen und Prozessionen. Bei all dem Ablenkenden, Irritierenden und oft auch Oberflächlichen aber entdeckt Huysmans nach und nach auch das Tiefmenschliche, das Schöne und das Berührende, und er beschließt, über das Phänomen Lourdes zu schreiben. Das Buch erscheint 1906 und ist sein letztes – ein Zusammenklang von einfühlsamer Sprachkunst und kritisch beobachtender Reportage.

Aus dem Französischen und mit einem Nachwort von Hartmut Sommer.

Einbandgestaltung unter Verwendung eines Gemäldes von Robert Klümpen.

Lilienfeldiana Band 23
320 Seiten
Mit historischen S/W-Fotografien
Halbleinen, Fadenheftung, Leseband
10,5 × 18 cm
(D) € 22,00, (A) € 22,60, sFr 31,50 (UVP)
ISBN 978-3-940357-65-6

Auch als E-Book erhältlich

 

Pressestimmen

„Ach, es sieht nicht gut aus für Demut und Durchdrungensein vom Glauben, wenn einer so herrlich schimpft und die Schalen seines Spottes über heilige Einfalt ausgießt. Hier kommt Huysmans, wie an vielen anderen Stellen auch, seine großartige, in der Schule des Naturalismus gelernte exakte und detailversessene Beschreibungskunst zugute, die alles, was er schrieb, so unglaublich plastisch vor dem geistigen Auge des Lesers erstehen lässt. … Immer ist hier ein Stilist am Werk, der ‚à point‘ schreibt.“ – Tilman Krause, Die Welt

„‚Lourdes‘ ist ein Schatz: an Sprachbildern, genauen Beobachtungen über ‚Mystik und Massen‘, so der Untertitel, Kirchenkirmes und Frömmigkeit. Der Reportageband ist gerade auch für Leser, die sich für Wallfahrtsorte kein bisschen interessieren, hoch spannend.“ – Nicole Golombek, Stuttgarter Zeitung

„Huysmans ist als hellwacher Besucher vor Ort, und wenn es sich lohnt, dieses mehr als 100 Jahre alte Buch aus dem ‚Heizraum der Frömmigkeit‘ zu lesen, dann einzig und allein wegen seiner transparenten Schilderungen in einer erstaunlich frisch gebliebenen Sprache.“ – Ferdinand Quante, WDR 3 Mosaik

„Joris-Karl Huysmans beginnt seine großartige literarische Reportage … mit den Worten: ‚Wenn es einen gibt, der niemals den Wunsch gehabt hat, Lourdes zu sehen, dann bin ich es.‘ Hingefahren ist der Katholik Huysmans dann aber doch. … Für uns ist das ein Glück, denn sein Bericht … lebt von Details, von Beobachtungen“. – Knut Cordsen, BR Diwan

„Huysmans Reisebericht ist ein Füllhorn an Anekdoten. Präzise fängt er eine Stimmung ein, die sich seit seinem Besuch zu Beginn des 20. Jahrhunderts kaum verändert hat. Nicht nur deshalb immer noch mehr als lesenswert.“ – Karsten Koblo, www.aus-erlesen.de

„Huysmans bietet einen interessanten Einblick – sowohl in die Psyche des Karl-Joris selber, wie in die der Kranken und ihrer Pfleger und Pflegerinnen, last but not least in die Maschinerie des großen Wallfahrtsortes Lourdes.“ – Paul Hübscher, www.blog.litteratur.ch

Huysmans_Joris-Karl

Joris-Karl Huysmans, geboren 1848 in Paris, schuf mit seinem 1884 erschienenen Roman À rebours (deutsch meist: Gegen den Strich) ein Hauptwerk der sogenannten Dekadenz, das zum Kultbuch vieler Generationen geworden ist. Unter den nachfolgenden Werken zeigen vor allem die Romane um sein literarisches Alter Ego Durtal in der von Huysmans entwickelten Form eines „spirituellen Naturalismus“ die Suche des Helden nach geistiger Erlösung. Huysmans wurde nach dem Schulabschluss Beamter im Innenministerium, wo er bis 1898 in Dienst war. Er gelangte nicht nur als Schriftsteller, sondern auch als Literatur- und Kunstkritiker zu großer Bedeutung. 1903 und 1904 hielt er sich jeweils mehrere Wochen in Lourdes auf; sein Lourdes-Buch erschien 1906 (Originaltitel: Les Foules de Lourdes). 1907 starb er im Alter von 59 Jahren an Krebs.