Jacques de Lacretelle
Silbermann
Roman

Klischees, Stigmatisierung und der Mut, sich auf die Seite des
 Ausgestoßenen zu stellen: Der Schülerroman Silbermann von 1922 ist ein französischer Klassiker über den Antisemitismus und jetzt nach langer Zeit endlich wieder lieferbar.

Der Erzähler des Buches entstammt dem gutsituierten und streng konservativen Milieu von Paris. Sein Vater ist Untersuchungsrichter, seine Mutter eine ehrgeizige Dame der Gesellschaft, die Atmosphäre nüchtern. Unter seinen Schulkameraden befindet sich ein besonderer Junge, der nicht sehr anziehend wirkt, aber durch seine ausgezeichnete Bildung beeindruckt: Silbermann. Weil Silbermann Jude ist, wird er mehr und mehr zum Opfer von Ausgrenzung und Angriffen. Dass er Stolz dagegenzusetzen versucht, verschlimmert die Lage nur. Und als der Erzähler sich auf seine Seite schlägt, steht auch ihm plötzlich eine gesamte Gesellschaft feindlich gegenüber. Aber durch Silbermann gewinnt er auch Einblick in eine neue Welt der Kultiviertheit, des Luxus und der Liebe zur französischen Literatur. Dann kommt Silbermanns Vater vor Gericht, und der Vater des Erzählers wird über ihn das Urteil zu sprechen haben … Silbermann ist ein großer kleiner Roman, der zeitlos schön und eindringlich in ein bitteres Problem einführt.

Aus dem Französischen und mit einem Nachwort von Irène Kuhn und Ralf Stamm.

Einbandgestaltung unter Verwendung eines Gemäldes von Simone Lucas.

Lilienfeldiana Band 10
192 Seiten
Halbleinen, Fadenheftung, Leseband
10,5 × 18 cm
(D) € 20,00 (A) € 20,60, sFr 27,50 (UVP)
ISBN 978-3-940357-21-2

Auch als E-Book erhältlich

Erscheinungstermin: April 2022

Pressestimmen

„Eine eindrückliche Erinnerung an einen vergessenen französischen Klassiker … Ein bemerkenswertes, von Irène Kuhn und Ralf Stamm elegant übersetztes Büchlein.“ – Eberhard Geisler, Die Zeit

„Es ist meisterlich, wie Lacretelle die Innensicht jugendlicher Lebensexperimente mit der soziologisch versierten Darstellung des französischen Antisemitismus verbindet.“ – Andreas Isenschmied, Neue Zürcher Zeitung am Sonntag

 

Lacretelle, Jacques de

Dem 1888 geborenen Jacques de Lacretelle wurden Sprachempfinden und Weltoffenheit in die Wiege gelegt: Zwei Vorfahren waren in der Académie française, der er ab 1936 auch selbst angehören sollte, als Diplomatensohn verbrachte er die ersten zehn Lebensjahre im Ausland, und nach dem Tod seines Vaters lebte er bei seinem Großvater, einem linken Dichter und Freund Lamartines. Nur wenige seiner Werke wurden ins Deutsche übersetzt. Bedeutend war auch sein Einsatz für die Wiedergeburt der großen Tageszeitung Le Figaro nach 1945. Und mit dem ­letzten Roman Quand le destin nous mène (1981) wandte sich Lacretelle, der vor dem Zweiten Weltkrieg auch in extrem konservativen Kreisen aktiv war, noch einmal dem Thema von Silbermann zu und erzählte ein jüdisch-französisches Schicksal. Im Januar 1985 starb er in Paris. 

Außerdem im Lilienfeld Verlag von Jacques de Lacretelle:

Marie Bonifas