Schriftenreihe der Kunststiftung NRW

Daniel Falb
Trainingsdatensätze und Weltliteratur
Die Thomas-Kling-Poetikdozentur

Welchen Einfluss hat die Automatisierung der Sprache auf die Vielstimmigkeit des Gesprochenen? Wie reagiert das Gedicht darauf, dass immer mehr unserer Wörter aus der Maschine kommen? Und was macht das mit der Welt? Daniel Falbs Poetikvorlesung spannt einen Bogen von Goethes Weltliteraturbegriff bis in unsere heiße Gegenwart, in der weltumspannende Datenextraktionssysteme literarische und nichtliterarische Textmengen permanent abgreifen.

Seit dem Erscheinen seines Debüts die räumung dieser parks (2003) gehört Daniel Falb zu den wichtigen Stimmen deutschsprachiger Gegenwartslyrik – und er ist einer der originellsten philosophischen Essayisten, der wichtige Stichwörter etwa zum Denken des Anthropozäns und seiner Literaturen geliefert hat. In seiner Thomas-Kling-Poetikvorlesung stellt er den Aufstieg großer Sprachmodelle (LLMs) in den Kontext des dramatischen Verlusts nicht bloß biologischer, sondern auch kultureller Diversität. In Auseinandersetzung mit dem Phänomen drohender Homogenisierung von Sprache und Bedeutung entwickelt er eine faszinierende Perspektive auf Literatur im Zeichen von KI. Schritt für Schritt entsteht so der Entwurf einer Weltliteratur, die sich der Aufgabe annimmt, zu untersuchen, wie die rapide KI-Evolution auf unsere Körper und Welten einwirkt, sie gefährdet, transformiert und potenziell erweitert.

Die Thomas-Kling-Poetikdozentur wird seit 2011 von der Kunststiftung NRW an der Universität Bonn ausgerichtet. Die Antrittsvorlesungen der mittlerweile vierzehn Autorinnen und Autoren entfalten ein breitgefächertes Spektrum an Reflexionen und Theorien über die Kunst des Sprechens, der Dichtung, der Übersetzung und des Erzählens.

 

Schriftenreihe der Kunststiftung NRW
Literatur, Band 18

ca. 70 Seiten
Steifbroschur, Fadenheftung
ca. 12,5 × 17,5 cm
(D) € 15,00, (A) 15,40, Fr. 19,80 (UVP)
ISBN 978-3-910266-14-8
Erscheinungstermin: Mai 2026


© Božica Babić

Daniel Falb, Dichter und Theoretiker, lebt und arbeitet in Berlin. Falb veröffentlichte fünf Gedichtbände, zuletzt Deutschland. Ein Weltmärchen (in leichter Sprache) (2023). Daneben hat er zur Anthropozäntheorie, Philosophie der Weltbevölkerung sowie Fragen von Poetik und Kunsttheorie gearbeitet. 2024 erschien (mit Armen Avanessian) Planeten Denken. Hyper-Antizipation und Biografische Tiefenzeit. 2024/2025 war Falb Stipendiat des Berliner Programms Künstlerische Forschung mit einem Projekt zu Animismus und KI. Im Wintersemester 2025/2026 lehrt er am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Die Thomas-Kling-Poetikdozentur hatte er 2025 inne.