Schriftenreihe der Kunststiftung NRW

Uljana Wolf
Ferngespräche 
mit Muttersprache
Die Thomas-Kling-Poetikdozentur

Was hat ein großes rotes Aufblastelefon mit Übersetzungstheorie zu tun? Was bedeutet es, eine Sprache durch eine andere hindurch anzurufen? Und ist es Zufall, dass »Stille Post« im Englischen »telephone game« heißt? Entlang der Geschichte der Telekommunikation entwickelt Uljana Wolf eine rauschende Poetik des produktiven Missverstehens. Es geht um Nähe und Ferne, um die Überbrückung von Distanz, vor allem aber um ein Zuhören, das immer auch ein »Verhören« beinhaltet.

Uljana Wolf gehört zu den bedeutendsten und faszinierendsten Lyrikerinnen ihrer Generation. Ihr Werk wurde vielfach ausgezeichnet und in mehr als zwölf Sprachen übersetzt. In ihrer Thomas-Kling-Poetikvorlesung demontiert sie lustvoll den Mythos einer national und patriarchal konstruierten Identität und einer uns eindeutig mitgegebenen Muttersprache. Mit Unterstützung literarischer Gewährsleute von Yoko Tawada über Daniela Seel bis Emine Sevgi Özdamar entwirft sie ein poetisches Programm, das sich gegen jede Form der einfachen Sinnzuschreibung verwahrt: ein virtuoses Plädoyer für die Widerspenstigkeit der Sprachen und eine Feier des sich stetig verschiebenden Sinns.

Die Thomas-Kling-Poetikdozentur wird seit 2011 von der Kunststiftung NRW an der Universität Bonn ausgerichtet.Die Antrittsvorlesungen der mittlerweile dreizehn Autorinnen und Autoren entfalten ein breitgefächertes Spektrum an Reflexionen und Theorien über die Kunst des Sprechens, der Dichtung, der Übersetzung und des Erzählens.

 

Schriftenreihe der Kunststiftung NRW
Literatur, Band 17

Mit einem Begleitessay 
von Thomas Fechner-Smarsly
ca. 70 Seiten
Halbleinen, Fadenheftung
ca. 12,5 × 17,5 cm
(D) € 15,00, (A) 15,40, Fr. 19,80 (UVP)
ISBN 978-3-910266-02-5
Erscheinungstermin: März 2025


© Villa Massimo,
Foto Alberto Novelli

Uljana Wolf, geboren 1979, ist Lyrikerin, Essayistin und Übersetzerin. Zuletzt erschienen der Gedichtband muttertask (kookbooks 2023) und der Essayband Etymologischer Gossip (kookbooks 2021), ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Sachbuch/Essayistik. Sie übertrug Gedichtbände aus osteuropäischen Sprachen und dem Englischen, u. a. von Christian Hawkey, Eugene Ostashevsky, Valzhyna Mort und zuletzt DMZ Kolonie von Don Mee Choi (Spector Books 2023), nominiert für den Internationalen Literaturpreis des HKW und auf der Hotlist der unabhängigen Verlage. Sie wurde vielfach ausgezeichnet, so mit dem Peter-Huchel-Preis 2006, dem Adelbert-von-Chamisso-Preis 2016, dem Kunstpreis Berlin 2019 und dem Preis der Stadt Münster für Internationale Poesie 2019 und 2021. Wolf ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und der Akademie der Künste, Berlin. Sie unterrichtet Seminare zu Übersetzung und Lyrik u. a. am Institut für Sprachkunst (Wien) und dem Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Sie lebt in Berlin.